Zaubern mit Daten und Wettbewerbsfähigkeit stärken – Tipps für die Datenbereitstellung an Handelspartner, Kunden und Portale
In unserer vernetzten Welt ist es unabdingbar, Produktdaten digital bereitstellen zu können. An Handelspartner, Kunden und Portale (neben den eigenen Online-Ausgabekanälen wie Website und Shop). In diesem Kontext spielen bestimmte Klassifikationen und Formate eine wichtige Rolle. Ohne strukturierte Daten, kein E-Commerce. Oder um es auf den Punkt zu bringen: ohne „saubere“ Daten kein gutes E-Commerce.
Saubere Daten in unternehmenseigener Sprache
Armatur, Ventil oder Wasserhahn? Welcher Begriff verwendet wird, ist eigentlich nicht so entscheidend. Entscheidend ist vielmehr, dass Begriffe bewusst verwendet und einheitlich eingesetzt werden. Normen können bei der Findung zwar helfen, meines Erachtens ist die Richtschnur für die Terminologie aber das Unternehmen selbst.
Aus meiner Praxis kann ich zum Thema Datenqualität („saubere“ Daten) folgende Empfehlungen geben:
- Zahlen möglichst als numerische Werte statt als Text pflegen, um beispielsweise Berechnungen und Umrechnungen in Imperialwerte zu ermöglichen.
- Zusammengesetzte Zahlenwerte granular pflegen, zum Beispiel Einheiten. Von-Bis- und Min-Max-Werte getrennt pflegen, um beispielsweise beliebige Verkettungen zu ermöglichen.
- Wenn immer möglich, Wertelisten zur Auswahl einsetzen, um die Einheitlichkeit zu verbessern.
- Sprachneutrale Texte als solche kennzeichnen, um Übersetzungsaufwand zu vermeiden.
- Attribute klassifizieren, beispielsweise ERP-Daten, mechanische Daten, elektrische Daten, Zulassungen usw., um die Übersicht zu verbessern.
- Datenhoheiten festlegen und andere Datenquellen synchronisieren (ERP, PDM oder ähnliches), um Redundanzen und somit Inkonsistenzen zu vermeiden.
Standardisierung der Produktdaten
Wie schon erwähnt sollte jedes Unternehmen für sich selbst entscheiden, wie es Produkte und Produkteigenschaften benennt – Hauptsache einheitlich! Für die Datenbereitstellung an Partner und Kunden sind jedoch standardisierte Klassifizierungen gefordert. Das ermöglicht die Auffindbarkeit und Vergleichbarkeit der Produkte auf Seiten vom Kunden und Partner.
Es sind dabei ganz unterschiedliche Standardklassifikationen und Versionen gefordert. Zwei Klassifikationen spielen dabei prinzipiell eine große Rolle: ECLASS und ETIM. ECLASS gibt es mittlerweile in der Version 15 und ETIM in der Version 10. Welche der Klassifizierungssysteme eingesetzt wird oder ob sogar beide genutzt werden, hängt von den (branchenspezifischen) Anforderungen ab. Grundsätzlich sollte man jedoch mit einer Klassifikationsversion beginnen, danach wird jede weitere Klassifizierung schon wesentlich einfacher von der Hand gehen.
Es ist meines Erachtens Pflicht, sich mit ECLASS und ETIM zu beschäftigen. Die Kür sind die neuesten Weiterentwicklungen: ECLASS Advanced und ETIM MC. ECLASS Advanced und ETIM MC sind anspruchsvoller und erfüllen auch Anforderungen von Seiten Engineering, Konstruktion und BIM (Building Information Modeling).
Klassifkationsmapping
ECLASS und ETIM verwenden eine standardisierte, genormte Sprache, welche naturgemäß abweicht von der Unternehmenssprache. Daher ist ein Mapping notwendig. Zum einen müssen die Produkte in die richtigen Gruppen der Gliederung gemappt werden und zum andern müssen die Merkmale gemappt werden, beispielsweise:
- ein bestimmtes Armaturprodukt zu der ECLASS-Gruppe „Absperrventil“ mit der Nummer 37.01.02.01
- das Merkmal Länge in das ECLASS-Feature „Baulänge der Armatur“ mit der Nummer BAI514005
Speziell das Merkmalmapping ist sehr aufwändig und setzt die oben genannten „sauberen“ Daten voraus. Hier gibt es auch gute Dienstleister, die helfen können schnell voranzukommen.
Wenn das Mapping zufriedenstellend erstellt worden ist, dann kann man wirklich zaubern und auf Knopfdruck die Wünsche von Partnern und Kunden erfüllen – und damit im Lieferantenranking steigen.
Exportformate für Datenbereitstellungen
Kommen wir zu den Exporten selbst, man spricht von E-Katalogen, welche den Kunden und Partnern schließlich bereitgestellt werden. Auch für die E-Kataloge gibt es ganz unterschiedliche Formate und Versionen. Pflicht sind meines Erachtens Excel, BMEcat (in den Versionen 1.2 und 2005) und Json.
Nebenbei bemerkt: Falls eine direkte Anbindung möglich ist, sollte diese genutzt werden. Im Austausch mit Kunden und Partnern ist dies allerdings nur selten möglich.
In Schritt 2 kann der Einsatz weiterer Formate geprüft werden, beispielsweise ARGE Neue Medien (BDMG), OXOMI, AUSSCHREIBEN.DE (GAEB), BIM (bspw. IFC), FAB-DIS, nexmart, Datanorm/Eldanorm.
Im gewählten Format sollte auch die Standardklassifikation, beispielsweise ECLASS oder ETIM, ausgespielt werden können. Hierzu ist das oben genannte Mapping zu berücksichtigen. Zusätzlich werden Bilder, Dokumente, Videos und Texte in der eingestellten Sprache exportiert. Mit diesen Daten können Kunden und Partner dann ihre eigenen Shops oder Kataloge erstellen oder ihr Einkaufssystem füttern.
Die Kür sind die neuesten Weiterentwicklungen: AAS (Asset Administration Shell) und zukünftig auch DPP (Digital Product Pass). Wenn man das bisher beschriebene Pflichtprogramm erfüllt hat, wird man sich hier einfach tun.
Fazit
Auch wenn sich alles wandelt und weiterentwickelt – die Produktdaten selbst, Klassifikationen und Formate – so bleiben doch Grundsätze und Methodik dieselben: Produktdaten in einem PIM-System sauber verwalten, Datenhoheiten festlegen, Begriffe unternehmensweit vereinheitlichen, Mapping zu Standardklassifikationen wie ECLASS und ETIM durchführen, Standardformate wie Excel, BMEcat und Json bereitstellen. Wenn man die Methodik beherrscht, ist man gerüstet für neue Anforderungen wie beispielsweise dem Digitalen Produktpass.
Thomas Kern ist Geschäftsführer und Unternehmensgründer von crossbase. Er war Ideengeber der Software und verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung im Bereich PIM, MAM, Print, E-Commerce und allem, was dazu gehört. Als Maschinenbauingenieur mit Schwerpunkt Angewandte Informatik kann er unsere Kunden aus der Industrie daher vollumfassend beraten.
Darüber hinaus berät er die Neukunden bei der Einführung von crossbase und verantwortet das Projektmanagement. Seine inhaltlichen Schwerpunkte bei den Projekten sind Analyse, Datenmodell und ERP-Schnittstelle.
In unserem Blog teilt er dieses Wissen auch mit Ihnen und beantwortet gerne Ihre Fragen:
t.kern@crossbase.de
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